Könnte eine Stratosphären-Erwärmung über dem Nordpol ab Mitte Januar 2021 eine stürmische Westlage auslösen ?

Das Wettermodell GFS rechnet seit einigen Tagen für Silvester/Neujahr und die ersten Januar-Tage 2021 eine Stratosphären-Erwärmung, auch Minor/Major Warming genannt, über dem Nordpol.

Was genau passiert dort über dem Nordpol ?

In 25 bis 36 km Höhe, kann sich am äußeren Rand des Polarwirbels, also in der Stratosphäre, eine Erwärmung entwickeln. Das bedeutet, das die Temperaturen dort kräftig ansteigen, von etwa -50/-70°C auf -20 /-5°C, der Polarwirbel der direkt über dem Nordpol in 36 km Höhe im Winter oft -90°C erreicht, würde dann entweder verschoben werden und sich dabei marginal abschwächen oder der komplette Polarwirbel löst sich für wenige Tage oder selten auch Wochen auf.

Dieses Phänomen begünstigt, das sich die Zonal-Winde in 36 km Höhe umkehren. Ist der Polarwirbel sehr aktiv, dann haben wir von Nordamerika über den Atlantik/Europa bis Russland einen westlichen Zonal-Wind, der dann auch Westlagen in diesen Gebieten in den unteren Atmosphärenschichten (500, 850, 925 hpa) verursacht.

Eine plötzliche Stratosphären Erwärmung, schwächt die den Polarwirbel, weil sich, wie oben schon beschrieben, die Luft erwärmt, so dass sich irgendwo auf der Nordhemisphäre die Zonal-Winde umkehren, für den Atlantik/Europa könnten dann die Winde in 36 km Höhe von West auf Ost drehen. Diese Entwicklung würde sich dann 2/3 Wochen später in die unteren Luftschichten z.B. 500 hpa (3 km Höhe) durchsetzen. So das sich auf dem Atlantik und oft auch über Skandinavien ein Hoch aufbaut und die kalte Luft aus Sibirien nach Europa fließt, so etwa gab es durch eine Stratosphären-Erwärmung (Major Warming) im Winter 2012/2013 bis in den April 2013 oft sehr kalte Nord- und Nordostlagen, der März 2013 war mit -3k (1961-1990) einer der kältesten März-Monate seit 1881.

Im stürmischen Winterhalbjahr 2017/2018, gab es Anfang Februar 2018 ein Major Warming, so das die bis dahin stürmische Westlage (Orkantiefs Burglind/Friederike), Ende Februar/Anfang März durch eine kalte Ostlage abgelöst wurde.

Nicht immer aber bringen Stratosphären-Erwärmungen Winterwetter nach Europa, auch wenn viele Meteorologen und Natur-/Wetterforscher immer wieder dieses Phänomen für Winterwetter in Betracht ziehen.

So gab es durch ein starkes Minor Warming bzw. schwaches Major Warming im Januar 2019 eine Zonal-Windumkehr über Nordamerika, dort wurde es sehr teils extrem kalt, die Kälte verursachte aber dann, viele Meteorolgen sprachen damals von einer Kältewelle die durch das Major Warming Europa erreicht, eine West-/Südwestlage in Europa!

Erst gab es eine antizyklonale Südwestlage mit einer östlichen Position Hoch-Mitteleuropa, so das im Februar die Temperaturen tagsüber oft auf 10 bis teils 20/22 Grad stiegen. Und so der Februar 2019 +3,65k (1961-1990) zu warm wurde und ab März 2019 konnte sich, durch die Kalte Luft über Nordamerika/Neufundland eine kräftige Westlage aufbauen, die besonders West- und Mitteleuropa die stärkste Sturmserie für einen März-Monat seit 1994 brachte. Damals zogen die Stürme Bennet, Cornelius, Dragi, Eberhard und Franz, sowie weiter Sturmtiefs über West-/Mitteleuropa hinweg. Besonders das Sturmtief Eberhard zog von Nordfrankreich/Belgien/Luxemburg mit orkanartigen Böen/Orkanböen über Deutschland. Die Sturmserie verursachte ca. 1 Mrd. Euro Schaden und knapp 3 Mio. fm Sturmholz in Europa.

___

Link: https://sturmwetterblog.wordpress.com/2019/03/23/maerz-2019-hatte-die-meisten-stuerme-seit-25-jahren/

___

Wir sehen also, das eine Stratosphären-Erwärmung über dem Nordpol nicht unbedingt kaltes Wetter bringt, sondern eventuell sogar eine milde und stürmische Westlage wie im Februar/März 2019!

Schauen wir mal auf die Wetterkarten von GFS 06z. Wir sehen das sich um Silvester/Anfang Januar 2021 über Nordost-Asien am Rande des Polarwirbels die Luft in 36 km Höhe auf -30 bis -15°C erwärmt, gleichzeitig sehen wir aber auch auf der 10 hpa Windkarte, das der Zonal-Wind nicht über Europa/Russland von West auf Ost wechselt, sondern direkt über Kanada/Alaska was dort dann sehr kalte Temperaturen zu folge haben könnte und wir sehen das der Zonal-Wind in 36 km Höhe auf dem Atlantik/Europa aus mit einer enormen Stärke aus westlichen Richtungen weht, ehe sich der Polarwirbel nach dem starken Minor Warming über Grönland/Kanada befindet.

So gesehen könnte diese Konstellation von Temperatur und Wind in 36 km Höhe eine West-/Südwestlage in Europa, eventuell sogar eine stürmische Westlage bringen.

GFS 06z Temp. 10 hpa:

___

GFS 06z Temp. 10 hpa:

___

GFS 06z Wind 10 hpa:

___

GFS 06z Temp. 10 hpa:

___

Wir sehen aber erst ab Mitte bzw. Richtung Ende Januar 2021 in den Mittelfrist-Wetterkarten, ob und welche Auswirkungen das Minor-/Major Warming auf die Wetter-Konstellation auf der Nordhemisphäre haben wird.

Dann könnte es wieder brisante Wetterlagen geben und die meist recht öde und triste Wetterlage, die wir in Europa seit Ende November haben, könnte sich dann in eine milde und stürmische Westlage oder kalte Nordlage ändern.

___

Beitragsbild/Wetterkarten von: https://www.wetterzentrale.de/

___

Sturmwetterblog, den 23.12.2020

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: