Rückblick auf die Sturmsaison 2020/2021

Die Sturmsaison 2020/2021 unterscheidet sich deutlich von den anderen Saisons, wie z.B. 2017/2018 und 2019/2020.

Der Grund dafür liegt an der Druckverteilung und dem Geopotential der Nordhemisphäre. Auf dem nördlichen Atlantik/Grönland bis zum Nordmeer gab es in der ganzen Sturmsaison 2020/2021 überwiegend hohes Geopotential, tiefes Geopotential gab es hingegen von den Azoren bis Südwest-/Westeuropa. Die großflächige Druckkonstellation führte oft zu meridionalen Wetterlagen in Europa.

Das bedeutet, es gab im Raum Grönland/Nordatlantik oft Hochdruckwetterlagen, das typische Islandtief, was für eine positive NAO und Westlage verantwortlich ist, blieb überwiegend aus. Tiefdrucksysteme gab es oft über dem westlichen Mittelmeer, da durch die nördliche Grundströmung auf dem Ostatlantik (Hoch bei Island) kalte Luft Richtung Spanien/Portugal floss.

Über Europa gab es, wie schon oben beschrieben, oft meridionale Wetterlage (TM, TrM, Süd-/Südost-Antizyklonal, TW, TrW, Ost-/Nordostlagen und vor allem von März bis Ende Mai Nordlagen).

So gab es vor allem in der ersten Hälfte der Sturmsaison 2020/2021 nur wenig Stürme. Die zweite Hälfte der Sturmsaison 2020/2021 war allerdings sehr windig.

Der erste Sturm der Saison kam sehr früh, wie schon in den letzten Jahren, sind Stürme seit 2017 sehr früh in Europa zu beobachten.

Am 26. August 2020 zog das Sturmtief Kirsten über West- und Mitteleuropa mit Böen von ca. 70 bis 100 Km/h, es gab meist leichte bis mäßige Schäden, allerdings oft abgebrochene Äste, da die Bäume noch Laub hatten, für die Jahreszeit war der Sturm ein markantes Ereignis.

Von September bis Ende Dezember bleib es, aufgrund der angesprochenen meridionalen Wetterlagen, sehr ruhig, lediglich ein kleines Orkantief brachte Anfang Oktober 2020 an der französischen Atlantik Küste und im angrenzendem Binnenland Sturm mit extremen Orkanböen über 150 Km/h, es gab dort große Schäden.

Am 15 November 2020 erreichte eine Kaltfront eines Tiefs über den Britischen Inseln Benelux/Deutschland, vereinzelt gab es stürmische Böen oder Sturmböen. Sonst war es, wie schon geschrieben insgesamt von September bis Ende Dezember sehr ruhig.

Um Weihnachten 2020 verstärkte sich das Geopotential zwischen Grönland und Island. Ein großes Tief bildete sich, das ungewöhnlich von Nord-/Nordwest unter Verstärkung zu den Britischen Inseln zog. Das Orkantief erreichte einen Luftdruck von 955 hpa.

Orkantief Hermine zog von 26/27. Dezember 2020 vom Nordmeer nach Westeuropa und brachte vor allem auf den Britischen Inseln und am Ärmelkanal, sowie in Nordwestfrankreich, West-Belgien/Holland eine schwere Sturmlage mit orkanartigen Böen und teils Orkanböen bis ins Flachland.

Besonders auf den Britischen Inseln verursachte Orkan Hermine große Schäden, es gab dort entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer und Stromausfälle.

Orkantief Hermine nördlich von Schottland:

https://www.meteociel.fr/

Der Sturm erreichte am 27. Dezember 2020 auch West-/Nordwestdeutschland, es gab verbreitet stürmische Böen und örtlich Sturmböen, vereinzelt schwere Sturmböen. Die Schäden in Westdeutschland waren sehr gering, lediglich ein paar abgebrochene Äste und ganz vereinzelt umgestürzte Bäume, sowie leichte Schäden an Dächern gab es durch Hermine.

Das Orkantief Hermine nicht durch eine Westlage entstand, zog das Tief auch nicht von West- nach Ost, sondern, wie schon geschrieben, von Island nach Westeuropa, schwächte sich ab und formierte sich zu einem Trog Westeuropa (TrW).

Von Ende Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021 gab es oft nasskalte Südostlagen. Erst um Mitte Januar gab es eine vorübergehende Westlage mit Sturm- und Randiefs.

Am 21. Januar 2021 zog Sturmtief Goran vom Atlantik zu den Britischen Inseln weiter nach Skandinavien. Das Sturmfeld des Tiefs bleib mit Böen ca. 70 / 100 Km/h über GB und der Nordsee. Die Kaltfront von Sturmtief Goran aber brachte von Benelux bis in den Westen und Nordwesten von Deutschland verbreitet Sturm- und schwere Sturmböen von 80 bis 100 Km/h, gab es gab einige Sturmschäden, die sich jedoch, da es nur während der Kaltfront Sturm gab, in Grenzen hielten.

An der Nordsee gab es allerdings auch außerhalb der Kaltfront Sturm- und schwere Sturmböen. Vereinzelt Orkanböen. Sonst war es noch sehr windig.

Nach dem Sturmtief Goran in der Nacht zum 22. Januar 2021 nach Skandinavien/Baltikum zog, bildete sich im Jet von Westfrankreich eine nachfolgende stürmische Randwelle die in der Nacht vom 21. auf den 22. Januar 2021 unter Abschwächung nach Deutschland zog, vor allem in West- und Südwestdeutschland war es oft nur sehr windig mit einzelnen stürmischen Böen, Sturmböen von 9 BFT waren nur selten dabei.

Nach dem die Randwelle am 22. Januar 2021 zur Ostsee zog, baute sich über Europa wieder eine meridionale Wetterlage auf.

Es gab eine Luftmassengrenze über Deutschland, diese verstärkte sich am 6/. Februar 2021, da von Norden kalte Luft und von Süden milde Luft mit Saharastaub aufeinander trafen. Es bildete sich ein Tief über Westeuropa, von NRW/NDS bis Holland gab es oft stürmische Böen, vereinzelt Sturmböen, an der Nordsee auch schwere Sturmböen bis 100 Km/h, dazu starken Eisregen/Schneefall mit Verwehungen und im Münsterland sogar an der Luftmassengrenze Gewitter!

Die Wetterlage war ähnlich wie zum Jahreswechsel 1978/79 nur in schwacher Ausprägung zu damals.

Siehe Winterrückblick 2020/2021

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Bis Mitte Februar gab es eine kalte Nordostlage mit Dauerfrost, danach eine für Februar und im Kontext zur vorherigen Nordostlage, extreme warme Südwest-Strömung mit bis zu 22 Grad in Deutschland!

Das meist ruhige Wetter hielt bis zum 9. März 2021 an, dann baute sich eine kräftige Westlage auf dem Atlantik auf.

Sturmtief Klaus zog am 11. März mit teils schweren Sturm- und orkanartigen Böen, an der Nordsee und auf den Bergen oberhalb >1000 Meter auch Orkanböen! Über die Britischen Inseln, Benelux und Deutschland, es war bis Dato der kräftigste Sturm der Saison 2020/2021. Die Schäden hielten sich jedoch in Grenzen. Örtlich gab es kurze Graupelgewitter.

Windböen Sturmtief Klaus:

https://www.mtwetter.de/

Am Abend des 11. März 2021 zog Klaus zur Ostsee und der Wind schwächte sich etwas ab. Es blieb aber windig.

Am 12. März bildete sich über GB eine Randwelle, diese brachte am Nachmittag kräftige Schauer und Graupelgewitter mit stürmischen Böen und Sturmböen. Auch in der Nacht zum 13. März blieb es sehr windig, während sich auf dem Atlantik das nächste Sturmtief bildete. Das Sturmtief Luis zog in der Nacht vom 13. März 2021 von den Britischen Inseln zur Nordsee und brachte an der Südseite und im Trogsektor verbreitet Sturm- und schwere Sturmböen, vereinzelt auch orkanartige Böen auf den Bergen teils Orkanböen. Der Sturm war ähnlich stark wie Sturmtief Klaus zwei Tage zuvor.

Durch Sturmtief Luis gab es meist nur leichte bis mäßige Schäden. Die stärksten Böen gab es bei Schauern und Gewittern.

Auf der Rückseite von Sturmtief Luis war es am 14 und 15. März noch nasskalt und windig mit Schneeregen-, Schnee-, und Graupelschauern, örtlich kurze Gewitter.

Danach gab bauet sich über Europa wieder eine meridionale Wetterlage auf.

Ähnlich wie schon Ende Februar, war es auch Ende März 2021 Rekordwarm mit bis zu 27 Grad in Deutschland.

Anfang April brachte ein markanter Nordtrog kaltes Wetter mit Schnee- und Graupelgewittern, sowie stürmischen Böen. Sturm gab es aber nur auf den Bergen.

Der April 2021 brachte keine Stürme mehr, es war dafür aber der kälteste April seit über 40 Jahren.

Anfang Mai gab es dann nochmals eine vorübergehende Westlage. Das Sturmtief Eugen zog am 4/5 über West- und Mitteleuropa hinweg. Es gab am 4. Mai verbreitet stürmische Böen und örtlich Sturmböen. In Schauern und Gewittern wurden oft schwere Sturmböen >90 Km/h gemessen, örtlich sogar orkanartige Böen >103 Km/h!

Die Schäden durch Sturmtief Eugen waren jedoch gering, da die Stärksten Böen in Schauern und Gewittern gemessen wurden.

Am 5. Mai war es noch windig mit örtlichen Schauern und einzelnen Gewittern., Danach blieb es bis Ende Mai nass und kühl.

So ging die Sturmsaison 2020/2021 zu Ende.

Obwohl es in der gesamten Sturmsaison 2020/2021 wie oben schon geschrieben, aufgrund der oft meridioanlen Wetterlagen kaum Westlagen gab, konnten sich dennoch einige Sturm- und vereinzelt Orkantiefs entwickeln. Die stärksten Stürme über Europa waren das Orkantief Anfang Oktober 2020 in Westfrankreich, sowie das Orkantief Hermine Ende Dezember 2020 über Westeuropa mit Orkanböen bis ins Flachland.

In Deutschland waren die Sturmtiefs Klaus (11. März) und Luis (13. März) die stärksten Stürme der Saison 2020/2021.

Insgesamt wurden über Deutschland 6 Sturmtiefs in der gesamten Sturmsaison 2020/2021 beobachtet, was trotz meridionaler Wetterlagen, eine beachtliche aber nicht ungewöhnliche Anzahl ist. In früheren Jahren mit meridionaler Wetterlage wurden in Deutschland hingegen nur 1 bis 3 schwache Stürme beobachtet, wie etwa 2008/2009, 2010/2011, 2012/2013.

Binnenland Orkane bleiben diesmal aus, somit gab es für die durch die trockenen Sommer 2018/2019 und 2020, keine geschwächten Bäume, und somit auch kein flächiges Sturmholz, wie etwa im Januar 2018 (Burglind und Friederike).

In den Forschungen gibt es aktuell noch unterschiedliche Varianten, wie sich die Klima-Erwärmung auf die Sturmtief und Orkantief Entwicklung auf dem Atlantik auswirkt, einige Varianten sehen mehr Sturm für Europa, andere Varianten wegen der Polschmelze und dem abschwächenden Nordatlantikdrift, weniger Stürme, dafür aber kleinräumig teils extreme Orkane. Die nächsten Jahre werden Forscher die Sturm-Entwicklung auf dem Nordatlantik beobachten.

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Sturmwetterblog, den 29/30.05.2021

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