Der Winter-Rückblick 2020/2021

Inhalt:

  • Dezember 2020: Insgesamt zu mild und oft meridionale Wetterlagen
  • Januar 2021: Erst meridional und nasskalt dann Westlage mit Wind/Regen
  • Februar 2021: Ein Monat der extremen Luftmassengegensätze! Erst Luftmassengrenze mit Hochwasser/Schneesturm und Kälte, danach Frühling mit Rekord-Temperaturen!

Nach einem warmen Herbst 2020, stellte sich die Wetterlage Ende November/Anfang Dezember 2020 um. Durch einen Trog-Westeuropa strömte auf der Vorderseite milde Luft nach Osteuropa bis zum Baltikum/Skandinavien, gleichzeitig strömte kalte Polarluft vom Nordmeer Richtung Westeuropa. In der Meteorologie spricht man von einer gestörten Zirkulation, also keine atlantische Westlage. So war es in West-/Südwest-Europa zu kalt und über Osteuropa zu mild für die Jahreszeit Dezember.

In Deutschland war es meist nasskalt/mild, dazu gab es neben Sonne/Nebel gelegentlich etwas Regen, im Bergland auch Schnee.

Nach Mitte Dezember 2020 baut sich mit einem Tief über Nordwest-Europa und einem Hoch über Osteuropa eine milde Südwestlage auf, die Temperaturen stiegen tagsüber 8-17 Grad, Nachts gab es meist 0 bis 8 Grad, nur selten leichten Frost. Das Wetter dazu meist Sonne/Wolken und etwas Regen.

Direkt an Weihnachten zog das Tief von Großbritannien über die Nordsee zum Baltikum. Auf der Rückseite strömt arktische Kaltluft aus nördlichen Richtungen nach West-/Mitteleuropa. Da der Atlantik und die Nordsee aber noch sehr mild waren, erwärmte sich die kalte Luft und es gab an Weihnachten meist nur 1 bis 6 Grad, Nachts leichter bis mäßiger Frost.

Nach Weihnachten bildete sich ein kräftiges Tief bei Island, dieses Tief zog auf einer ehr ungewöhnlichen Bahn von Nord-/Nordwest nach Süden und entwickelte sich zu einem Orkantief, das mit ca. 955 hpa bei Schottland lag. das Orkantief Hermine brachte besonders in Großbritannien, Ärmelkanal, Nordfrankreich und Benelux eine schwere Sturmlage mit orkanartigen Böen/Orkanböen. In Deutschland wurde es dann im Nordwesten stürmisch mit Böen ca. 60-90 Km/h, es gab in Deutschland leichte Sturmschäden. In Westeuropa verursachte Hermine größere Sturmschäden, dort gab es umgestürzte Bäume und zeitweise Stromausfall, sowie abgedeckte Dächer.

Nach dem das Sturm-/Orkantief Hermine sich rasch abschwächte, verwandelte es sich zu einem Trog-Westeuropa, damit hatten wird in West- und Mitteleuropa nun wieder die gleiche Wetterlage, wie in den ersten zwei Dezemberwochen 2020.

So zogen Anfang Januar 2021 schwache Tiefs von Osteuropa zur Nordsee, im Bergland und den Alpen gab es teils viel Neuschnee, im Flachland fiel tagsüber meist regen/Schneeregen und nur Nachts bei leichtem Frost Schnee, der tagsüber aber wieder bei 0 bis 7 Grad wegschmolz.

Nach Mitte Januar 2021 entwickelte sich eine Westlage, die aber nicht auf ganz Europa überging, sondern sich mehr auf West-/Nordeuropa fokussierte, da über Osteuropa noch ein Hochdruckgebiet lag.

So entwickelte sich in der Westlage am 20/21. Januar 2021 das Sturmtief Goran, das vom Atlantik nach Großbritannien zog. Das Windfeld überquerte damit Nordfrankreich, Großbritannien und Benelux, sowie den Nordwesten von Deutschland. Die Kaltfront von Sturmtief Goran war in labile Luftschichten im vorderen Trogbereich des Tiefs eingebettet, so konnte mit starker Konvektion, örtlich Gewitter, der Höhenwind heruntergemischt werden. Von Benelux bis in den Westen und Nordwesten von Deutschland gab es oft Sturm- und schwere Sturmböen 80-100 Km/h, vereinzelt auch orkanartige Böen, in Bremerhaven wurde eine Orkanböe gemessen. Es gab oft abgebrochene Äste und örtlich entwurzelte Bäume und beschädigte Dächer, dazu mehr in: Rückblick auf die Sturmsaison 2020/2021, die Ende April/Anfang Mai 2021 publiziert wird.

Nachdem Sturmtief Goran Richtung Skandinavien zog, bildete sich südlich ein Randtief, das von Nordfrankreich über Benelux nach Norddeutschland zog. Im Warmsektor des Randtief gab es starke bis stürme Böen, örtlich Sturmböen. das Randtief, welches zu Sturmtief Goran gehört zog ebenfalls über die Ostsee und löste sich auf. Dann strömte auf der Rückseite kalte Luft aus Norden nach Mitteleuropa, gleichzeitig, da kein Hochdruckgebiet auf die Tiefs nachzog, bleib über Mitteleuropa das tiefe Geopotential bestehen und es bildeten sich schwache Tiefs, die Regen und Schneeregen, örtlich auch Schnee brachten. Nun war die Wetterlage größtenteils wieder meridional, warme Luft aus Süden konnte etwa bis einer Linie Emden/Berlin vorankommen, nördlich davon war es leicht zu kalt. So bildete sich Ende Januar 2021 eine Luftmassengrenze, schwache Tiefs vom Atlantik zogen entlang der Luftmassengrenze und brachten teils hohe Regenmengen in West- und Süddeutschland mit leichtem Hochwasser, während es nördlich etwa einer Linie Emsland/Brandenburg nur etwas Schneeregen/Schnee gab bei kühlen Temperaturen.

Die Luftmassengrenze hielt in dieser Konstellation bis zum 5. Februar 2021, mit einem Tief das sich über Südfrankreich/Alpen bildete verstärkten sich die Luftmassen-Gegensätze enorm, gleichzeitig baut sich über Osteuropa/Russland ein kaltes Hoch auf, das zunehmend kalte Luft aus Osten in den Norden von Deutschland strömte, während das Tief über den westlichen Alpen mit einer südlichen Strömung von Nord-Afrika über das Mittelmeer/Alpen milde Luft mit viel Saharastaub schaufelte.

Wetterkarte GFS 500 hpa 7. Februar 2021:

https://www.meteociel.fr/

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Saharastaub in den Alpen:

So bildete sich eine starke Luftmassengrenze von Benelux bis über die nördliche Mitte von Deutschland bis nach Tschechien.

In den Wetterdiensten und auch Medien wurde die starke Luftmassengrenze diskutiert, da die Wettermodelle vom 6-8. Februar 2021 direkt an der Luftmassengrenze kräftige Schneefälle mit starken Wind /Sturmböen sowie direkt südlich der Luftmassengrenze Eisregen rechneten. Die Konstellation der Wetterlage erinnerte oft an die extreme Luftmassengrenze Ende Dezember/Anfang Januar 1978/79!

Dementsprechend waren auch die Vorwarnungen vor Schneesturm mit Schneeverwehungen, Eisregen und Glatteis. Der DWD gab für teile des Westen, der nördlichen und östlichen Mitte eine Unwetterwarnung der Stufe 2 und sogar 3 heraus, was sonst nur bei schweren Unwetterlagen im Sommer zu beobachten ist.

Am Samstag den 6. Februar zog mit dem Tief das nun ca. über Benelux lag, von Süden kräftiger Regen auf, im Norden strömte mit dem Hoch über Osteuropa zunehmend kalte Luft rein.

Am späten Nachmittag zog der Regen mit Verstärkung in die Luftmassengrenze und konnte so, da aus Norden gegensätzlich kalte Luft nach Süden strömte nicht weiter ziehen. So blieb die Luftmassengrenze von Holland über die Mitte Deutschlands bis Tschechien erhalten.

Der Wind frischte zudem immer weiter auf und erreichte 5 bis 7 Bft. Am Abend des 6. Februar 2021 ging der Regen allmählich in Eiskörner bzw. Feinschnee über. dazu gab es starke bis stürmische Böen. Von Süd-Holland über den Süden von NRW bis Nordbayern gab es oft noch regen oder schon Eisregen, nördlich von der Mitte Hollands über NRW/Süd-NI bis zur etwa Sachsen/Süd-Brandenburg fiel starker Schneefall.

Am späten Abend gab es im Münsterland sogar Gewitter aufgrund der sich aufschichtenden Warmluft und sich darunter fließenden kalten Luft aus Norden. Die Gewitter hatte kein Wettermodell in den Berechnungen.

Höchst-Temperaturen, 6. Februar 2021:

https://mtwetter.de/

Nach 00:00 Uhr also am 7. Februar 2021 verstärkte sich der Wind von Ostwestfalen über das Münsterland/Emsland bis Holland nochmals, es gab oft starke bis stürmische Böen. In Ostwestfalen wurden Sturmböen an mehreren Wetterstationen gemeldet bis ca. 85 Km/h!

Auch an der holländischen und deutschen Nordseeküste gab es oft Sturm- teils sogar schwere Sturmböen.

Nördlich einer Linie Emsland/Berlin war es meist trocken und kalt. An der Luftmassengrenze gab es bis zum Vormittag des 8. Februar 2021 Schneefall, der sich langsam unter Abschwächung nach Norden verlagerte. Der Wind ließ nach und die kalte Luft floss nun aus Norden weiter Richtung Süden und erfasste bis zum 9. Februar 2021 ganz Deutschland. Die kalte Luft mit Dauerfrost von -1 bis -10 Grad tagsüber und -5 bis -27 Grad. Nachts bleib bis zum 14. Februar über Mitteleuropa, danach mit Südwestlage milder und Tauwetter.

Dort wo die Luftmassengrenze vom 6-8. Februar lag, also Holland/nördliche Mitte von Deutschland Süd-Polen/Tschechien, gab es hohe Schneemengen. Es wurden oft 15 bis 40 cm Neuschnee in 48 Stunden gemessen, an einigen Orten >50 cm Neuschnee! So gab es viele neue Rekorde der Schneehöhen. Und auch die Kältewelle die nach der Luftmassengrenze von Nordost-Europa nach Deutschland/Mitteleuropa strömte brachte in Deutschland neue Temperatur-Rekorde.

Schneehöhen bis zum 10. Februar 2021:

https://mtwetter.de/

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Windböen, 7. Februar 2021:

https://mtwetter.de/

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Tiefst-Temperaturen, 9. Februar 2021:

https://mtwetter.de/

Wie oben weiter schon beschrieben, wurde es am 14/15. Februar erst langsam, dann aber rasch milder. Die Temperaturen stiegen bis zum 19. Februar oft auf 11 bis 17 Grad. Am Samstag den 20. Februar strömt nochmals mildere sogar warme Luft aus Südeuropa nach West-/Mitteleuropa inklusive Saharastaub. So stiegen die Temperaturen vom 20. bis zum 26. Februar 2021 oft auf 15 / 20 Grad, örtlich wurde 21 Grad erreicht, am 25. Februar wurde in BW sogar 22 Grad erreicht und es gab wieder neue Temperatur-Rekorde.

Höchst-Temperaturen, 25. Februar 2021:

https://mtwetter.de/

An einigen Orten wurde innerhalb von 7 Tagen knapp 45k Temperatur-Unterschied beobachtet. So war es noch vom 6 bis 14. Februar sehr kalt mit unter -20 Grad, gab es 7 bis 10 Tage später über +20 Grad!

Solche Temperatur-Sprünge also von >40k wurde so noch nie in einem Februar Monat beobachtet. Zudem war die starke Wärmephase vom 20. bis zum 26. Februar auch ein neuer Rekord für den Monat, zwar gab es bsp. im Sturm-Februar 1990 bis zu +23 Grad, aber nicht über eine Woche >20 Grad. So eine lange Warmphase wurde so noch nie im Februar beobachtet, wenn gleich in den letzten Jahren oft auch sehr hohe Temperaturen mit Rekorden gemessen wurde, wie 2019 und 2020, so war der Februar ein Monat extremer Luftmassen-Kontraste, die selten in Mitteleuropa beobachtet wurde. Durch die starke Wärme 17-26. Februar wurde der Monat trotz der ersten beiden kalten Wochen Wochen, noch zu mild!

Monats-Abweichungen Winter 20/2021

Temperatur-Abw./Mittel Dezember 2020:

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Niederschlagssumme (%) Dezember 2020:

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Sonnenscheinsumme (%) Dezember 2020:

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Temperatur-Abw./Mittel Januar 2021:

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Niederschlagssumme (%) Januar 2021:

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Sonnenscheinsumme (%) Januar 2021:

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Temperatur-Abw./Mittel Februar 2021:

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Niederschlagssumme (%) Februar 2021:

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Sonnenscheinsumme (%) Februar 2021:

Der Winter 2020/2021 war insgesamt nach dem neuen Klimamittel (1991-2020) leicht zum mild. Es gab eine positive Temperatur-Abweichung von +0,45k, der Mittel-Bereich liegt bei -/+ 0,5k, somit war der Winter noch im Mittel. Nach dem Klimamittel 1961-1990 war der Winter 2020/2021 +1,61k zu mild.

Temperatur-Abw./Mittel Winter 2020/2021:

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Niederschlagssumme (%) Winter 2020/2021:

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Sonnenscheinsumme (%) Winter 2020/2021:

Jahreszeiten-/Monats Klima-Karten:

http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

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Zu dem war der Winter zu nass, was nach den Dürre-Sommern 2018/2019 gut für die Natur ist und der Winter hatte zu wenig Sonnenschein, die sonnigsten Tage wurde von 17-26 Februar während der Warmphase beobachtet.

Der Winter 2020/2021 war trotz negativer AO/NOA (Atlantische Oszillation/Nordatlantische Oszillation) und meridionalen Wetterlagen, leicht zu mild (1991-2020) vor 10/20 Jahren hätten solche Wetterlagen öfter kältere Temperaturen gebracht, nicht nur nasskalt/mild, sondern auch mal leichten Dauerfrost, da aber auch in 1,5 km Höhe = 850 hpa die Temperaturen wegen der Klima-Erwärmung nicht mehr so kühl sind, können selbst meridionale Wetterlagen im Winter meist nur noch nasskalte Temperaturen hervorrufen, erst starke Nordost-/Ostlagen wo schon Kalte Luft über Osteuropa/Russland liegt, bringt noch Dauerfrost in Mitteleuropa, diese sehr kalten Ostlagen sind aber auch selten geworden und wenn sie denn kommen, wie Anfang Februar 2021 oder Ende Februar/Anfang März 2018, dann halten diese Wetterlagen nur 7-10 Tage, bevor es rasch wieder milder wird.

West- und Südwestlagen Winter mit positiver NOA bringen besonders seit 2013 fast durchgehend milde Temperaturen wie in den Winter von 2013/2014 bis 2019/2020. So sind meridionale Winter in Zukunft wohl nur noch nasskalt oder leicht mild mit kurzen Kältewellen, während West-/Südwestwinter fast nur noch milde Temperaturen bringen. Die Klima-Erwärmung ist somit in den letzten 10 Jahren neben den Sommern nun auch in den Wintern-Monaten deutlich zu beobachten.

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Sturmwetterblog, den 7. März 2021

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