Sturmtief Ginger Ende Mai 2000

Die Sturmsaison 1999/2000 gehört zu den stärksten seit über 100 Jahren und nur die Saison 1989/1990 kann von Windstärken und Schäden mithalten.

Die Orkantiefs Anatol 3/4.12.1999, Lothar 26.12.1999 und Martin 27/28.12.1999 waren alle drei Jahrhundertstürme.

Der Orkan Lothar sogar das stärkste beobachtete Orkantief über dem europäischen Binnenland mit mehreren meteorologischen Rekorden. Mit einem 3 stündigen Luftdruckfall von 27 hpa, Böen von 130 bis >200 Km/h in West- und Mitteleuropa, ca. 180 Mio. fm Sturmholz, sowie einem Gesamtschaden von 11,6 Mrd. € (Originalwerte von 2001 MunichGroup), war es der schwerste Orkan seit mindestens 1876 (Große März Sturm). Der Orkan Anatol zog über Nordeuropa und wird seit dem in Dänemark als Jahrhundertsturm beschrieben mit einem nie dagewesenen Schaden und Böen bis 200 Km/h an der Nordseeküste.

Auch in Deutschland hinterließen die Orkane große Schäden.

Aber auch im Januar und Februar 2000 ging es mit einer stürmischen Westlage weiter. Ende Januar und Anfang Februar zogen die Orkantiefs Kerstin und Liane vom Atlantik zur Nordsee und brachten von West- bis Mitteleuropa Sturm.

Anfang März 2000 gab es noch ein Sturmtief und dann schwächte sich die Westlage langsam über Europa ab und es bauten sich oft meridionale Wetterlagen auf.

Doch nach einem teils warmen Mai 2000, sollte es Ende Mai nochmals eine Westlage geben. Mehrere Tiefs zogen dabei vom Atlantik zur Nordsee, bei weitem nicht stark wie in Wintermonaten. Doch am 27. Mai 2000 bildete sich ein kleines Randtief vor den Britischen Inseln. Die Meteorologen warnten für den 28. Mai 2000 (Es war ein Sonntag), vor teils schweren Sturmböen von Belgien/Holland bis NRW/NDS. Dazu sollte es Regen geben.

Am Morgen des 28.05.2000 gab es Regen und es war windig aus Südosten, was bedeutet, dass das Tief Ginger über Belgien lag. Es gab weiter Sturmwarnungen für den Nachmittag mit Böen 80-90 Km/h!

Gegen Mittag lockerten die Wolken auf und der Regen ließ nach, die Sonne kam teilweise zum Vorschein. Der Wind nahm weiter aus südlichen Richtung zu und es gab gegen ca. 12:30 Uhr erste stürmische Böen.

Mit ein paar Kumpels fuhren wir, da ich ihn von den Sturmböen erzählte die in den nächsten Stunden zu erwarten seinen, an einem Bach entlang wo mehrere Bäume und Pappeln stehen. Wir setzten uns auf eine Bank und beobachteten die Bäume gegen 13:00 wurde der Wind immer stärker, die Böen lagen dann schon ca. bei 75 bis 90 Km/h. Was dann noch auffiel war, das es eigentlich den ganzen Tag regnen sollte, doch wie bereist geschrieben lockerten die Wolken auf und nach dem Mittag gab es Schauerwetter, das deutete darauf hin, dass das Tief Ginger sich deutlich stärker entwickelte, als von den Wettermodellen berechnet, was auch erklärte warum es schon um 13:00 Uhr teils schwere Sturmböen gab.

Wenige Minuten nach 13:00 Uhr brach ein großer Ast von einer Pappel neben der Bank ab. Wir standen schnell auf und gingen zur Seite. Der Ast hang noch im Baum über der Brücke, wir rissen den Ast ab und legten ihn zur Seite. Wir fuhren dann weg von den Pappeln, da es dort wegen dem Sturm zu gefährlich wurde.

Gegen 14:00 Uhr wurde der Sturm noch stärker, es gab verbreitet Sturm- und schwere Sturmböen, örtlich gab es orkanartige Böen, selbst der Mittelwind lag bei 7 bis 8 Bft!

Die Bäume hatten schon Laub und überall flogen Äste und Zweige herum, die Feuerwehr war den ganzen Tag im Einsatz. Ich fuhr mit meinen Kumpels mehrere Straßen und Wege entlang um den Sturm und die Schäden zu beobachten. Es war ein richtiger Sturm mit Böen über 100 Km/h!

Ich konnte viele entwurzelte Bäume sehen, Wege und Straßen waren übersät von Blättern, Zweigen und auch Ästen.

Gegen 17:00 Uhr ließ der Wind deutlich nach um um ca. 19:00 gab es nur noch mäßigen bis frischen Westwind.

Das kleine Sturmtief Ginger war nun weiter Richtung Nordosten gezogen, also zur Nordseeküste.

In Ahlen fuhr die Feuerwehr knapp 70 Sturmeinsätze. Das Grünflächenamt hatte am Montag den 29. Mai 2000 alle Hände voll zu tun. An Grünanlagen, Parks und Friedhöfe und Wege mussten von Zweigen und Ästen, sowie umgestürzten Bäume weggeräumt werden, die Aufräumarbeiten dauerten noch einige Tage. Auch Schäden an Dächern, sowie Bäume die auf Stromleitungen gekippt waren wurden gemeldet. In Hamm rückte die Feuerwehr ca. 130 Mal wegen des Sturmtiefs aus.

In NRW verursachte das Sturmtief Ginger 7000 Einsätze bei der Feuerwehr, auch das THW war im Einsatz. Es wurden überall Bäume entwurzelt, Zweige und Äste blockierten Straßen und Wegen, Dächer wurden abgedeckt, Baugerüste stürzten um, Stromleitungen gerissen, Äste und Bäume auf Bahngleisen. Einige Menschen wurden Verletzt, fünf Menschen starben durch abgebrochene Äste oder umgestürzte Bäume.

Auch in Belgien/Holland und insgesamt im gesamten Westen und Norden von Deutschland richtete Sturmtief Ginger Schäden im Millionen Bereich an.

Das Tief war deutlich stärker, als von den Wettermodellen berechnet. Von Belgien/Holland bis West-/Nordwest-Deutschland wurden verbreitet 85 bis 115 Km/h gemessen. An der Nordsee teils bis 120 Km/h!

Damit gab es auch im Binnenland orkanartige Böen (103 – 117 Km/h)!

Das Sturmtief Ginger war sozusagen das letzte Nachwehen, der ohnehin extremen Sturmsaison 1999/2000, was die damalige Sturmsaison noch brisanter machte, da das Sturmtief sich ungewöhnlich spät entwickelt hatte. Es war das stärkste Sturmtief der letzten Jahrzehnte in einem Mai-Monat und Sommer-Halbjahr. Die Sturmsaison 1999/2000 hatte somit 8 Stürme, wovon es 3 Jahrhundert-Orkan gab und das späte ungewöhnliche Sturmtief Ginger.

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Sturmwetterblog, den 5.05.2021

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