Rückblick Winter 2021/2022 (Mild und größte Sturmserie seit 1990)!

Der Winter 2021/2022 war deutlich zu mild mit einer positiven Abweichung von +1,8k (1990-2020) und +3k (1960-1990) und ist damit wie die Winter der letzten Jahre deutlich zu mild.

Der Dezember 2021 startete sehr windig mit Regen, dann setze sich, wie schon im November 2021 wieder meridionales Hochdruck-Wetter mit Inversionslagen durch, oft gab es Hochnebel mit Nieselregen. Ab Weihnachten 2021 bis ca. Anfang Januar 2022 gab es mit einer kräftigen Südwestlage ungewöhnlich milde Temperaturen. Dann setze sich wieder mit einem Hoch über den Britischen Inseln trübes Hochdruck-Wetter mit Nebel/Hochnebel und örtlich Nieselregen durch, nur selten schien die Sonne, selten mal ein atlantischer Tiefausläufer.

Auf dem Nordatlantik war allerdings seit Mitte Dezember 2021 eine starke Entwicklung von Sturm- und Orkantiefs zu beobachten, da der Polarwirbel eine starke dynamische Form aufwies und zu einer erhöhten +NAO beitrug.

Das Hoch baute sich nach Mitte Januar 2022 langsam ab und zog abgeschwächt in den Mittelmeer-Raum und verband sich dort mit dem südwestlich gelegenen Azoren-Hoch.

Die Tiefs konnten sich mehr Richtung Europa ausbreiten und es entwickelte sich eine Westlage. Ende Januar zog das Orkantief Nadia vom Nordatlantik zum Baltikum, von der Nordsee über Süd-Skandinavien, Nord-/Ostdeutschland, Ostsee bis nach Osteuropa gab es verbreitet schwere Sturm- und Orkanböen mit großen Schäden.

An der Nord- und Ostsee auch eine schwere Sturmflut.

Anfang Februar hielt die stürmische Westlage vom Atlantik bis Europa weiter an, so dass am 4. Februar die Kaltfront eines Orkantiefs mit ca. 950 hpa östlich von Island, teils Sturm- und schwere Sturmböen brachte, dazu gab es Schauer, örtlich Graupel und Gewitter!

Das nächste Sturmtief Roxana zog bereits am 5/6. Februar vom Atlantik über die Britischen Inseln zur Nord-/Ostsee bis zum Baltikum und es gab besonders in der Mitte und im Süden von Deutschland verbreitet Sturm- und schwere Sturmböen, örtlich orkanartige Böen, auf den Bergen teils Orkanböen, hinzu kam kräftiger Dauerregen mit leichtem Hochwasser an kleinen Bächen und Flüssen, Abends zogen im Trogsektor des Sturmtief kräftige Graupelgewitter von BeNeLux nach Westdeutschland. Von den Britischen Inseln erreichte das neue Sturmtief Corrie abgeschwächt am 7. Februar mit stürmischen Wind und Regen/Schnee auch Deutschland.

Auch in der zweiten Februar Woche blieb die milde und windige Westlage erhalten. Zugleich bildete sich südlich von Grönland/Island ein extremes Orkantief mit >930 hpa, was somit zu den stärksten Stürmen im Nordatlantik gehört. Das Orkantief teilte sich in zwei Tiefs auf und zog unter leichter Abschwächung bis nach Nord-Skandinavien.

Der zweite Kern des ursprünglichen Orkantiefs zog als schwacher Trog über die Britischen Inseln nach Norddeutschland und löste sich dort auf, es gab aber trotzdem starke Windböen.

Die Westlage verstärkte sich weiter und auf dem Atlantik entstanden neue kräftige Sturm- und Orkantiefs. In den Wettermodellen deuteten immer mehr Parameter auf eine schwere Sturm- und Orkanlage durch mehrere Sturm-/Orkantiefs in West-/Mitteleuropa hin. Am 14. Februar zog ein Tief vom Atlantik zur Nordsee und brachte teils starke Windböen, an der Nordsee und auf den Bergen Sturmböen.

Auf dem Atlantik formierte sich in der starken Westlage das Orkantief Yelina, das am 16/17. Februar über West-/Mitteleuropa zog und in Deutschland verbreitet schwere Sturm- und Orkanböen brachte, es gab große Sturmschäden mit ersten Schätzungen von ca. 600 Mio. Schaden!

Nach Orkan Yelina, bildete sich im Trogbereich im Jetstream der mit 300 Km/h vom Atlantik bis Mitteleuropa reichte, ein neuer noch stärkerer Orkan!

Das Orkantief Zeynep brachte am 18/19. Februar von den Britischen Inseln/Nordfrankreich über den Ärmelkanal/BeNeLux, Deutschland, Nord-/Ostsee, Dänemark bis etwa Polen/Baltikum schwere Sturm mit extremen Orkanböen!

Das Tief erreichte 960 hpa, in Süd-England wurden 196 Km/h! erreicht und damit sogar die Stürme von 1990 (Daria/Vivian) übertroffen!

Es gab in den genannten Regionen verbreitet Sturm und schweren Sturm mit orkanartigen Böen/Orkanböen!

Windböen Prognose ICON Orkan Zeynep

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In Westdeutschland ist der Orkan Zeynep von der Stärker her mit Friederike (2018), Kyrill (2007), Daria, Vivian/Wiebke (1990) zu vergleichen, es gab an vielen Wetterstationen 12 Bft, teils >140 Km/h!

Neben Sturm gab es kräftigen Regen, Schauer und örtlich Graupel und Gewitter.

In Norddeutschland wurden extreme Orkanböen von 160-170 Km/h (Hiddensee 172 Km/h) gemessen, hinzu kam eine schwere Sturmflut an der Nordsee, es gab große Sturmschäden, da vor allem schon viele Bäume durch Orkan Yelina beschädigt waren, gab es größere Mengen Sturmholz in den Wäldern!

Eine erste Schätzung geht von 1 Mrd. Euro Schaden durch Zeynep aus.

Direkt nach dem Orkan Zeynep entwickelte sich ein Randtief, das von Westeuropa über Norddeutschland bis Polen zog und sich im Trogsektor mit Zeynep verband.

In der Nacht vom 19/20. Februar gab es besonders im Westen/Mitte von Deutschland erneut stürmische Böen und einzelne Sturmböen mit Regen. Auf dem Nordatlantik südlich von Island entwickelte sich ein neues Orkantief.

Das Orkantief Antonia erreichte am 20. Februar mit Sturm- und Orkanböen die Britischen Inseln, die Kaltfront des Tiefs erreichte am späten Abend von der Nordsee her mit Gewitter und Orkanböen BeNeLux, am Abend gab es auch im Vorfeld der Kaltfront in Westdeutschland bereits Sturm- und schwere Sturmböen. In der Nacht vom 20/21. Februar zog die Kaltfront und das nachfolgende Sturmfeld von Westen über Deutschland, es gab wieder verbreitet schwere Sturm- und orkanartige Böen, an der Kaltfront sogar Orkanböen >130 Km/h!

Orkan Antonia brachte erneut große Schäden, Versicherungsunternehmen gehen von >200 Mio. Euro aus.

Am 21. Februar zog Orkan Antonia weiter Richtung Osteuropa und schwächte sich dort, es blieb aber sehr windig.

Auf dem Atlantik entstanden neue Sturmtiefs, die aber nördlich an West-/Mitteleuropoa vorbeizogen, doch am 24. Februar zog die Kaltfront von Sturmtief Bibi mit Sturm- und schweren Sturmböen, örtlich orkanartigen Böen über Deutschland, dazu gab es kräftige Schauer, örtlich Gewitter.

Damit gab es innerhalb von 4 Wochen gleich 6 Sturmereignisse in Deutschland, das Versicherungsunternehmen Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) schreibt in einem Bericht, das es in den letzten 50 Jahren noch nie 3 Orkane in einem so kurzem Abstand über Deutschland gab!

  • Nadia (>100 Mio. €)
  • Roxana (>100 Mio. €)
  • Yelina (>500 Mio. €)
  • Zeynep (1. Mrd. €)
  • Antonia (>200. Mio. €)
  • Bibi ( <50 Mio. €)

Das aber noch nicht alle endgültigen Sturmschäden berechnet wurde und diese erst im Sommer/Herbst 2022 abzusehen sind, könnte ein Gesamtschaden von 2 Mrd. durch die Januar/Februar Stürme entstehen.

Anmerkung: Im April 2022 wird der große Rückblick zur Sturmsaison 2021/2022 erscheinen, dort werden alle Sturm- und Orkantiefs, insbesondere die Orkanserie „Yelina, Zeynep und Antonia“ ausführlich meteorologisch und mit ihren Auswirkungen auf die Infrastruktur beschrieben.

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Insgesamt waren alle Wintermonate deutlich zu mild:

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Winter 2021/2022 Temp.-Abw.:

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Monatskarten: https://www.mtwetter.de/

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Damit war der Winter 2021/2022 ein weitere Mildwinter und sogar nach 2017/2018, 2019/2020 ein Sturmwinter. Die Zahl milder Winter hat in den letzten 20 Jahren aufgrund der Klima-Erwärmung deutlich zugenommen.

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Sturmwetterblog, den 12./13.03.2022

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