Gewitter-/Unwetterserie Ende Mai/Anfang Juni 2008

Der Mai 2008 startet recht unspektakulär, es gab einige früh-sommerliche Wetterphasen mit teils kräftigen Gewittern. Das war erstmal nichts besonderes für einen Mai. Die Wetterlage stellte sich zum Ende des Monats um.

Ein Tief über Westeuropa/Frankreich und ein kräftiges Hoch von der Nordsee über Skandinavien bis Osteuropa schaufelte schwül-warme/heiße Luft, aus Süd- nach Mittel und Osteuropa.

In der Deutschland war es vor allem nach Osten/Nordosten sehr warm/heiß, nach Südwesten in der Nähe zu dem Tief über Westeuropa, nur schwül-warm.

Am 28. Mai 2008 bildeten sich im Westen von Deutschland erste kräftige Gewitter, teils mit Starkregen und Hagel. Auch von Frankreich bis Benelux gab es Gewitter.

In der Nacht bzw. in den Früh-Stunden des 29. Mai 2008 bildeten sich von Benelux bis Westdeutschland neue Gewitter, diese neuen Schauer und Gewitter vereinigten sich zu einem großen MCS der vom Kölner-Raum zum Niederrhein zog und sich erst über Holland auflöste. In der Region Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach wurde es am Vormittag zwischen 10:00 und 11:00 Uhr teils „Schwarz wie in der Nacht“, weil die Wolken des MCS über 10 km Höhe erreichten und Sonnenlicht kaum durch die Wolken schien.

In Mönchengladbach konnte man südlich des schwarzen Himmels langsam sehen wie der Himmel gelblicher wurde, das war der Bereich des Starkregen/Hagel. Es gab in Mönchengladbach teils über 70 l/m² Regen und Hagel in 1 Stunde, dazu teils schwere Sturmböen!

Insgesamt gab es durch den MCS am Niederrhein schwere Gewitter, am stärksten wurde aber Mönchengladbach von dem Unwetter getroffen.

Regenradar vom 29.05.2008:

Der MCS zog weiter nach Nordwesten und löste sich über Holland auf.

Am Nachmittag des 29. Mai 2008 war es meist sonnig und trocken bei schwülwarmen, nach Osten/Nordosten auch heißen Temperaturen. Am Nachmittag und Abend zogen von Frankreich und er Schweiz neue Gewitter in den Süden von Deutschland. Die Gewitter, teils Unwetter lösten sich aber nördlich des Mains größtenteils auf, so dass es in der Nacht zum 30. Mai 2008 kaum noch Gewitter gab.

Neue Gewitter bildeten sich in den Früh-Stunden des 30. Mai 2008 im Westen, wieder war der Niederrhein am stärksten von den Gewitter betroffen. Es gab teils sehr großen Hagel, der die Größe von Hühnereiern erreichte, es gab durch den Hagel am Niederrhein größere Schäden. Starkregen und Sturm gab es nach damaligen Berichten nicht, bzw. keinen Sturm, es gab zwar Starkregen, dieser war jedoch gering. Im Fokus stand der Hagel.

Die Gewitter zogen aufgrund der Luftströmung (Gewitter-Tief über Frankreich und Hoch von Osteuropa bis Skandinavien) weiter nach Holland.

Am Mittag/Nachmittag des 30. Mai 2008 war es in West-/Südwestdeutschland meist schwülwarm mit leicht dunstigen Himmel und leichtem Nordostwind, Richtung Berlin/Brandenburg oft sonnig und trocken.

Von Frankreich/Schweiz zogen wieder neue Gewitter in den Südwesten (Baden-Württemberg) diese Gewitter konnten sich bis zum späten Nachmittag weiter verstärken und erreichten die Mitte von Deutschland, insbesondere Hessen. Dort nahmen die Gewitter zunehmend Unwetter-Charakter an und es gab teils heftigen Starkregen von über 60 Liter in der Stunde, dazu Hagel und auch Downburst. Einige Leute welche die Wettersituation über Hessen beobachteten, berichten schon von einem dunkel-gelblichen Himmel vor dem Unwetter. In NRW war es meist dunstig bei leichten Nordwind und dazu schwül. Gegen 20:00 Uhr zogen die Unwetter von Hessen, die sich nun zu einem Multizellencluster mit Squall-Line gebildete hatten, weiter Richtung Süd-NRW.

Vom Sauerland über OWL bis ins Münsterland und auch Westniedersachsen wurde der Himmel immer gelblicher. der MCS über Hessen erreichte einen Wolkendurchmesser von ca. 400 km Nord-Süd und 200 km Ost-West, die Untergehende Sonne, welche die Cumuluswolken anleuchte, wurde durch die darunterliegende Dunstschicht die teils mit Saharastaub angereichert war, gelblich und gleichmäßig verteilt, so das für den Beobachter am Boden ein großer gelber Wolkenhimmel erschien, der ca. 2 Stunden anhielt.

Auf dem Bild sieht man den gelblichen Himmel vor dem Unwetter, das Bild stammt aus Ahlen (Westfalen/Münsterland).

Die Gewitter/Unwetter erreichten um nach 21:00 Uhr den Süden von NRW mit Starkregen und Hagel, die Unwetterzentrale warnte nun große Teile von NRW mit ROT und VIOLETT. Der Himmel wurde gegen 22:00 immer gelblicher, so das selbst Hausdächer das gelbliche Leuchten der Wolken reflektierten. Nach Süden konnte man ganz leichtes Donnergrollen hören.

Circa um 22:15 Uhr wurde es dann gemäß der Jahreszeit dunkel, der gelbliche Himmel färbte sich dann mit der zunehmend nächtlichen Dunkelheit grau-lila und ging dann um 22:30 Uhr endgültig schwarz über. Nach Süden/Südosten konnten ab ca. 22:15 Uhr grelles Wetterleuchten beobachtet werden. Die Gewitter/Unwetter tobten zur derzeit vom Sauerland bis in den Süden von Ostwestfalen. Dort gab es teils extreme Wolkenbrüche mit über 50 l/m² in einer Stunde, größeren Hagel und Sturm-/schwere Sturmböen. Auch weiter westlich vom Rheinland bis ins Ruhrgebiet gab es durch den großen MCS (Gewittercluster) Regen und Gewitter, jedoch bei weitem nicht so extrem wie vom Sauerland bis OWL.

Um ca. 22:30 Uhr erreichten die heftigen Gewitter, die sich an der Vorderseite des MCS nun wieder zu einer strukturierten Squall-Linie entwickelten, etwa eine Linie von Paderborn/Warburg bis zum Kreis Soest/HSK. Um 22:45 Uhr, berichtet Sven Plöger Live vom ARD-Tagesthemen Wetter, das die Gewitter-/Unwetter im Kreis Soest über 25 l/m² Starkregen gebracht hatten. In Ahlen gab es seit ca. 22:15 Uhr durchgehendes Wetterleuchten. Es war draußen schwülwarm und Windstill, der ehemals gelbe Himmel ging, wie schon beschrieben, der Tageszeit entsprechend in schwarz über. Das es zu heftigen Gewittern kommen sollte, konnte man schon während des gelben Himmels, so das manche Leute auf den Straßen meinten: „Das gibt gleich ein richtiges Gewitter“. Das Wetterleuchten wurde immer heftiger, da die Gewitterfront nun auch den südlichen Kreis Warendorf erreichte und nur noch ca. 20 km von Ahlen entfernt war.

Die Unwetterzentrale hatte nun viele Kreise von OWL – Sauerland bis ins südliche Münsterland auf VIOLETT hochgestuft, weiter westlich im Ruhrgebiet meist ORANGE. Der südliche teil des Sauerlandes der zuvor ROT/VIOLETT hatte, wurde nach den Unwettern auch ORANGE heruntergestuft.

Kurz vor 23:00 Uhr als es nun grelle Blitze im Sekundentakt gab, konnte ich vereinzelt erste Regentropfen auf der Fensterbank sehen. Dann gab es es einen Wolkenbruch aus Platzregentropfen, die Sichtweite sank unter 50 Meter. Das Blitzen und Donnern wurde immer stärker. Als ich auf die Terrasse ging konnte man kaum etwas durch den starken Platzregen sehen, wenige Sekunden später gab es starke Böen aus Südosten ca. 60 bis 80 Km/h!

Der extreme Regen flog nun Waagerecht durch die Luft, es blitze und donnerte sehr stark. Als ich wieder ins Haus ging gab es einen heftigen Blitz Richtung Westen und einen starken Knall. Dieser Blitze ist wohl irgendwo eingeschlagen. Als ich an die Haustür ging um dort das Unwetter zu beobachten, stand die Garageneinfahrt bereits unter Wasser. Bei heftigen Regenfällen lief die Dachrinne immer über. Am 30. Mai 2008 konnte man an der Dachrinne einen regelrechten Wasserfall beobachten. Ich bin in den Keller gegangen um zu sehen, wie hoch das Wasser am Fenster zur Garageneinfahrt stand. Das Kellerfenster war bereits im Wasserversunken, inklusive des Fensterschachtes. Das Kellerfenster glich einem Aquarium, hätte jemand das Fenster auf gemacht wäre das ganze Wasser, das auf der Garageneinfahrt stand in den Keller geflossen. Etwas Wasser kam schon durch das Fenster, so dass ich dort ein paar Lappen hingelegt hatte. Meine Mutter machte sich sorgen, das der Keller überflutet werden könnte. Mit einem Wäschekorb bin ich wieder zur Haustür gegangen. Der Starkregen mit starken Windböen/Sturmböen tobte weiter, dazu helle Blitze und Donner. Ich holte aus der Garage ein paar Gartenwerkzeuge, den dort wo das Wasser stand, befand sich der Gully der das Wasser vom Starkregen nicht aufnehmen konnte, inklusive dem Wasser das über die Dachrinne schwappte. Ich zog während des Starkregens das Gullysieb heraus, so dass das meiste Wasser nun abfließen konnte, den Wäschekorb stellte genau auf die Stelle, wo das Wasser der Dachrinne herunter fiel, der Wäschekorb war in wenigen Sekunden voll Wasser. Ich war komplett nass da auch das Wasser, der Dachrinne auf mich fiel. Die Straße war auch teilweise überflutet.

Auf einmal hörte der Starkregen auf, die Hauptaktivität der Blitze war nun nördlich von Ahlen, es wehte weiter ein starker, aber recht milder südlicher Wind hinter der Gewitterfront.

Das Wasser auf der Garageneinfahrt war größtenteils abgeflossen. Auf der Terrasse stand aber noch viel Wasser. Mein Regenmesser hatte innerhalb von 15/20 Minuten ca. 30 l/m² Regen gesammelt. das war für meinen Regenmesser ein neuer Rekord. So viel Regen in so einer kurzen Zeit hatte ich noch bei keinem anderen Gewitter/Unwetter beobachtet.

Stellenweise war wohl auch Hagel bei dem Unwetter. Ich selbst konnte keinen Hagel beobachten.

Ich sagte zu meiner Mutter: „Sollte noch ein Unwetter kommen und der Keller mit Wasser volllaufen, dann ruf die Feuerwehr an. Ich fahre jetzt los und schaue mir die Unwetterschäden an“.

Nach Norden gab es immer noch starkes Wetterleuchten die Unwetter hatten Münster bzw. das nördliche Münsterland erreicht. Es gab auch dort heftigen Starkregen/Hagel und Sturm, teilweise Blitzeinschläge in Scheunen. In Münster gab es verbreitet starke Überflutungen und die Feuerwehr rückte dort über 500 mal aus. Im Kreis Warendorf gab es über 120 Unwettereinsätze, davon ca. 70 in Ahlen. Auch im Sauerland und OWL gab es Überflutungen, Hagelschäden und abgebrochene Äste und entwurzelte Bäume durch Sturmböen. Auch über BW/Hessen hatte der Unwettercluster große Schäden angerichtet.

Ich fuhr, es war so ca. um 00:00 Uhr Richtung Ahlener Innenstadt, die Feuerwehr kam mir mehrmals entgegen. Im Stadtpark gab es eine große Überflutung, weil dort das Regen-Rückhaltebecken, das extra wegen Starkregen dort gebaut wurde, übergelaufen war.

Zahlreiche Keller und Straßen standen unter Wasser, im ganzes Stadtgebiet gab es abgebrochene Äste. Eine Tanne wurde entwurzelt und stürzte auf eine Haus. An der Pattmeicheln-Unterführung, die immer nach stärkeren Regenfällen unter Wasser stand, dort stand nach dem Unwetter vom 30. Mai 2008 das Wasser über einem halben Meter hoch es mussten Autos mit einem Abschleppwagen aus dem Wasser gezogen werden. Die Unterführung war weitgehend abgesperrt worden. Auch die Ampel stand dort unter Wasser.

Einige Straßen zuvor pumpte die Feuerwehr mehre Keller leer, da die Straße unter Wasser stand und das Wasser in die Keller geflossen ist. Die Feuerwehr musste bis zum frühen-Morgen des 31. Mai 2008 Keller leer pumpen oder Äste klein sägen.

Es war eines der stärksten Gewitter-/Unwetter die NRW bis zum 30. Mai 2008 erreichte. Vor dem 30. Mai 2008 gab es zuletzt, solche starken Gewitter im Juli 2003 und in den Sommern 1994 und 1992!

Am 31. Mai 2008 war es wiederum schwülwarm, es war stark bewölkt. Von Hessen zogen neuen Regenfälle Richtung NRW/Niederrhein. In den Nachrichten von TV und Radio wurde über die schweren Unwetter vom Vortag berichtet.

Am Nachmittag bildeten sich wiederum über dem Südwesten neuen Gewitter am Abend des 31. Mai 2008 zogen wieder aus Süden/Südosten Gewitter mit Starkregen nach NRW, diesmal aber nicht so stark wie vom Vortag des 30. Mai 2008. Es gab wieder leichte Schäden durch überflutete Keller.

In der Nacht zum 1.Juni 2008 beruhigte sich das Wetter. Am 1. Juni 2008 gab es nur vereinzelt Gewitter. Erst am 2. und 3. Juni bildeten sich von Frankreich/Schweiz bis Benelux neue Gewitter. In Baden-Württemberg kam es am am 2/3. Juni 2008 durch einen neuen MCS zu stunden langen Starkregen. Es gab große Schäden und drei Menschen ertranken in den Fluten. Auch in den östlichen Mittelgebirgen gab es teils schwere Unwetter. Bis zum 8. Juni gab es besonders südwestlich einer Linie Nordsee/Sachsen immer wieder teils schwere Gewitter mit Starkregen und Überflutungen. Am 7. Juni 2008 gab es im Raum Kreis Soest/Unna/WAF und Coesfeld teils schwere Gewitter mit Starkregen und Hagel. Besonders vom Ahlener Süden/Dolberg bis in den westlichen Kreis WAF gab es Starkregen mit Hagel, die Sichtweite lag teilweise wieder unter 50 Meter. Die Feuerwehr hatte wieder einige Einsätze wegen Überflutungen.

Die Gewitter-/Unwetter Ende Mai/Anfang Juni 2008 gehört zu den stärksten Gewitterserie über Deutschland/Mitteleuropa seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Zwar gab es 2014 (Unwetterserie /Pfingstunwetter) 2016 Mai/Juni (4 Wochen täglich schwere Gewitter, Starkregen) noch wesentlich heftigere Unwetterserien, aber trotzdem war die Gewitter-/Unwetterserie eine markante Wetter-Erscheinung.

Hier noch Karten zu den Regensummen der Gewitterserie Mai/Juni 2008:

Regensumme 28.05.2008:

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Regensumme 29.05.2008:

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Regensumme 30.05.2008:

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Regensumme 31.05.2008:

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Regensumme 2.06.2008:

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Regensumme 3.06.2008:

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Regensumme 4.06.2008:

Tageskarten von: https://www.mtwetter.de/

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Aufgrund der Klima-Erwärmung gibt es besonders seit 2013 in den Monaten von April bis September zunehmend schwere Gewitter-/Unwetterlagen mit Starkregen. Die Gewitterserie Mai/Juni 2008 wurde von ihrer Stärke und Länge 2014, 2016, 2018 und 2020 übertroffen. In den nächsten Jahren/Jahrzehnten sind noch stärkere und längere Gewitter-/Unwetterserie möglich, dazu auch immer wieder Hitzewellen mit Dürre wie 2018/2019.

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Sturmwetterblog, 2020

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