Rückblick auf Unwettertief „Bernd“ und die Starkregen/Dauerregenlage mit der Jahrhundert-Flut!

Am 13/14. Juli 2021 kam es durch das Tief „Bernd“ in Westdeutschland/Benelux zu extremen Starkregen/Dauerregen mit katastrophalen Sturzfluten und Hochwasser!

Inhalt:

  • Sommer 2021 – Gewitter, Unwetter und Starkregen
  • Tief „Bernd“ und die Sturzflut von Westdeutschland
  • Neue Regen-Rekorde
  • Katastrophale Sturzfluten und Hochwasser in Westdeutschland/Benelux
  • Klima-Erwärmung und Auswirkung auf Gewitter/Starkregen und Rückblick auf vergangene Unwetter-/Hochwasserlagen

Sommer 2021 – Gewitter, Unwetter und Starkregen

Der Sommer 2021 war bisher zu warm und deutlich zu nass, nach einem kühlen Frühling, startete der Juni 2021 sehr warm und es gab oft Gewitter- und Unwetterlagen.

Im Juli blieb die Großwetterlage über Europa ähnlich wie im Juni und es gab in Deutschland/Mitteleuropa immer wieder Gewitter und Unwetter mit Starkregen und Überflutungen.

Am 12. Juli 2021 baute sich dann die Wetterlage TM (Tief Mitteleuropa) auf.

Das Tief „Bernd“ zog ursprünglich vom Atlantik als Höhentief nach West-/Mitteleuropa, über dem Atlantik nahe lag ein kräftiges Hoch, ebenfalls gab es auch über dem Baltikum/Russland ein kräftiges Hoch, wo durch warme Luft von Südeuropa nach Mittel-/Osteuropa strömte, diese warme Luft gelangte floss auf der Nordseite von Tief Bernd, etwa Polen/Norddeutschland in den Tiefkern, südlich von Tief Bernd floss kühle Luft vom Atlantik nach Frankreich bis zu den Alpen. Dadurch konnten sich die Regengebiete von Tief Bernd deutlich verstärken.

Wetterkarte GFS, 500 hpa:

https://www.wetterzentrale.de/

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ECMWF akkumulierte Regenmenge:

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Die Wetterdienste wie zum Beispiel der DWD (Deutscher Wetterdienst) und auch viele private Wetterdienste gaben eine Warnung vor Starkregen und Dauerregen mit 24 bis 72 stündigen Regenmengen von 50 / 250 l/m², heraus!

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Am Montag den 12. Juli gab es bereits im Westen und Südwesten von Deutschland, insbesondere in Baden-Württemberg kräftigen Regen mit 15 bis >50 l/m².

https://mtwetter.de/

Am Dienstag den 13. Juli baute sich auf der nördlichen warmen Tiefseite an der Grenze zur kühlen Luft (Tschechien/Polen und Nord-/Ostdeutschland) eine Gewitterlage auf. Am Nachmittag kam es von Tschechien bis zu den östlichen Mittelgebirgen zu teils kräftigen Gewittern und Unwettern mit Starkregen und örtlich Überflutungen.

In Westdeutschland blieb es vorerst noch bei einzelnen Schauern.

Gegen Abend verstärkten sich auch im Westen die Schauern und es kam auch zu Gewittern. Besonders über der Mitte von NRW verclusterten einige Schauer und gingen in größere Starkregengebiete über.

Im Osten von Deutschland lösten sich die meisten Schauer und Gewitter wieder auf.

Tief „Bernd“ und die Sturzflut von Westdeutschland

Am späten Abend hatte sich dann hauptsächlich über NRW ein großes Regengebiet formiert. Im Bergischen Land besonders in der Region um Hagen gab es stundelangen Starkregen mit teils >100 l/m² und großen Überflutungen.

https://mtwetter.de/

Während der Nacht zum 14. Juli regnete es in Westdeutschland weiter, oft gab es auch Starkregen (>17 l/m² in einer Stunde).

Am Mittwoch-Vormittag des 14. Juli gab es besonders von der Mitte über Süd-NRW und bis Rheinland-Pfalz/Saarland, sowie in Ost-Belgien/Holland teils kräftigen Dauerregen/Starkregen. In der Region um Hagen wo es am Abend des 13. Juli und der in der Nacht zum 14. Juli schon zu über 100 l/m² Regen kam, summierten sich die Regenmengen dann schon auf über 150 l/m² und es gab teils katastrophale Überflutungen.

Auch aus anderen teilen von NRW und dem Rheinland wurden erste Überschwemmungen gemeldet.

Am Nachmittag des 14. Juli verstärkten sich von Niedersachsen/Ostwestfalen her Schauer und Gewitter, von der Region Osnabrück/nördliches Münsterland bis ins östliche Ruhrgebiet formierten sich gewittrige Starkregenfälle, diese zogen unter Verstärkung in die Mitte und den Süden von NRW, wo es mittlerweile schon flächig zu 50 bis 150 l/m² Regen gab.

Das neue Starkregengebiet zog dann am späten Nachmittag vom Münsterland bis nach Rheinland-Pfalz und es gab nochmals 25 bis ca. 80 l/m² Regen in wenigen Stunden.

Am Abend gab es von der Mitte über Süd-NRW und besonders im Norden von Rheinland-Pfalz große und teils katastrophale Sturzfluten und Überschwemmungen, da besonders Bäche und kleinere Flüsse die enormen Regenmengen nicht aufnehmen konnten und die Böden nach dem nassen Frühjahr und Juni 2021 ohnehin schon mit Wasser gesättigt waren.

https://mtwetter.de/

Am späten Abend des 14. Juli und in der Nacht zum 15. Juli lies der Regen in Westdeutschland und Benelux langsam nach und es bleib meist trocken.

Die Hochwasser-Situation wurde an den Flüssen in NRW/Rheinland-Pfalz, sowie in Ost-Belgien/Holland deutlich schlimmer.

Es kam zu großen Überschwemmungen, Sturzfluten rissen ganze Ortschaften mit sich und hinterließen ein Bilder der Zerstörung, Flüsse gingen über die Ufer und Dämme brachen.

Solche Überschwemmungen und Hochwasser gab es seit Jahrzehnten nicht mehr in Westdeutschland.

Erst am Donnerstag den 15. Juli wurde das Ausmaß der Hochwasser-Katastrophe langsam Sichtbar. Immer noch standen Orte unter Wasser, oder wurden von Sturzfluten über- und unterspült, Dämme brachen und es kam zu neuen Überflutungen.

Neue Regen-Rekorde

In Westdeutschland und Ost-Benelux fielen innerhalb von 72 Stunden ca. 100 bis 250 Liter Regen auf den Quadratmeter.

Am 14. Juli gab es in Süd-NRW und im Norden von Rheinland-Pfalz oft 100 bis 150 Liter Regen!

Es gab viele neue Regen-Rekorde, wie zum Beispiel in Köln, wo 153 Liter Regen in 24 Stunden fielen.

Regenmengen vom 14. Juli 2021:

153.5x2968Köln-Stammheim
A+
NW43
144.8x2497Kall-Sistig
A+
NW505
129.2x902Dahlem-Schmidtheim
A+
NW573
124.1x4508Schneifelforsthaus
A+
RP649
119.4x2213Lissendorf
A+
RP407
116.6x13781Gerolstein
A+
RP530
114.412.183098Lüdenscheid
A+
NW387
113.9x1327Weilerswist-Lommersum
A+
NW147
111.8x5619Wipperfürth-Gardeweg
A+
NW360
111.2x533Blankenheim-Ahrhütte
A+
NW402
110.0x2117Hellenthal-Udenbreth
A+
NW650
107.0x5483Wermelskirchen
M+
NW244
105.5x4017Prüm-Watzerath
A+
RP386
102.7x15455Schleiden-Morsbach
A+
NW500
101.1x2358Hückeswagen (Bevertalsperre)
https://www.mtwetter.de/

Katastrophale Sturzfluten und Hochwasser in Westdeutschland/Benelux

Die Sturzfluten und Überschwemmungen führten in Westdeutschland/Benelux zu unvorstellbaren Schäden, Toten und Verletzten. Ganze Ortschaften wurden teilweise zerstört. Bäche und Flüsse schwemmten Häuser weg oder brachten Gebäude zum Einstürzen, Autos, Bäume und jede Menge Utensilien wurden von Fluten mitgerissen. An etlichen Flüssen gab es neue Hochwasser-Rekorde, teilweise lagen die neuen Rekorde 1 bis 2 Meter über den alten Hochwasser-Rekorden.

Auch an den größeren Flüssen wie Rhein und Mosel gab es Hochwasser, hier konnten die Mengen jedoch, im Gegensatz zu Bächen und kleineren Flüssen moderat aufgenommen werden, da dort in den vergangenen Jahren viel zum Hochwasserschutz investiert wurde.

Das Tief Bernd löste sich am 15. und 16. Juli langsam auf und es gab nur vereinzelt noch Schauer oder Gewitter.

Klima-Erwärmung und Auswirkungen auf Gewitter/Starkregen und Rückblick auf vergangene Unwetter-/Hochwasserlagen

Die Rekord-Regenmengen von Tief Bernd über Westdeutschland/Benelux und die dadurch entstandene Flutkatastrophe, lösten in Deutschland und Europa eine heftige Debatte über den Klimaschutz aus.

Seit Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts steigen aufgrund der weltweiten Klima-Erwärmung die Temperaturen deutlich an.

Damit haben auch besonders in den Sommermonaten Gewitter, Unwetter- und Starkregenlagen deutlich zugenommen, daneben gibt es aber auch zunehmend mehr Hitze- und Dürre-Sommer wie etwa 2003, 2018/2019.

In Deutschland/Mitteleuropa gab es zum Beispiel 1992 und 1997 Unwettersommer. Im Jahr 1992 gab es besonders in der Mitte und im Süden von Deutschland immer wieder heftige Gewitter und Unwetter, mit Starkregen und sogar Orkanböen.

Im Sommer 1997 gab es durch eine VB-Lage das Jahrhundert-Hochwasser an der Oder.

Der nächste große Unwettersommer über Mitteleuropa ereignete sich im Jahre 2002, als es oft zu Starkregenlagen kam. Anfang August 2002 brachte eine VB-Lage ein Jahrhundert-Hochwasser vom östlichen Alpenraum über Tschechien/Polen bis Süd-Ostdeutschland.

In Zinnwald im Erzgebirge fielen am 12. August 2002 in 24 Stunden 312 l/m², was bis heute der höchste 24 Stunden Regen-Rekord ist.

Es kam damals zu einer Jahrhundert-Flut an der Elbe und viele Flüsse hatten Rekord-Hochwasser.

Doch seit 2013 wurden immer mehr neue Temperatur-Rekorde gemessen. Das Jahr 2014 war in Deutschland mit +2,14k (1961-1990) das bis dahin wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881.

Der Sommer 2014 brachte in großen Teilen von Deutschland/Mitteleuropa schwere Gewitter und Unwetter mit Starkregen und Orkanböen.

So z.B. das Pfingstunwetter aus dem Juni 2014, es gab von Ost-Belgien über NRW verbreitet schwere Sturm- und teils extreme Orkanböen mit insgesamt 650 Mio. Euro Schaden.

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Am 28/29. Juli 2014 gab es eine Konvergenz (Luftmassengrenze) vom Sauerland bis in den Osten von Holland. Es gab entlang der Luftmassengrenze immer wieder schwere Gewitter mit Wolkenbrüchen, nördlich von Münster fielen 292 l/m² innerhalb von 7 Stunden, was für den Zeitraum ein neuer Regen-Rekord ist, aber auch im Kreis Soest/Hamm gab es Rekord-Starkregen mit ca. 50 bis 100 l/m² und großen Überflutungen, die Feuerwehr in Hamm rückte über 700 mal aus. In Münster wurden über 5000 Hochwasser-Einsätze registriert.

Im Früh-Sommer 2016 gab es in Deutschland/Mitteleuropa eine 4-wöchige Gewitter- und Unwetterserie mit Starkregen, Hagel, Überflutungen und Tornados!

Ende Mai und Anfang Juni 2016 gab es durch Gewitter in Süddeutschland extremen Starkregen von örtlich 50 bis >200 l/m², es gab katastrophale Sturzfluten und Überschwemmungen, ganze Ortschaften wurden zerstört. In Hamburg wurden Doppel-Tornados gesichtet.

Der DWD gab im Sommer 2016 über 32.000 Wetterwarnungen heraus.

Auch im Sommer 2017 gab es in einigen teilen von Mitteleuropa extremen Starkregen.

Nach dem das Jahr 2014 in Deutschland das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung war, wurde es 2018 noch wärmer.

Das Jahr 2018 brachte nach nur vier Jahren einen neuen Temperatur-Rekord. Es war mit +2,25k (1961-1990) noch wärmer als 2014.

Der Sommer 2018 war mit +3,01k der zweit-wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

Und auch das Jahr 2019 wurde ca. +2k zu warm, erneut gab es einen Hitze-Sommer mit +3k, noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881, wurden gleich zwei Sommer mit +3k Temperatur-Abweichung beobachtet!

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Das Jahr 2020 wurde wieder ähnlich warm wie 2018 und 2019, was ebenfalls noch nie seit 1881 beobachtet wurde.

Im Sommer 2020 gab es eine neuen Rekord von Starkregen-Warnungen des DWD, besonders im August gab es eine Gewitter- und Unwetterserie. Der August 2020 war der zweitwärmste Monat seit 1881.

Die Klima-Erwärmung wirkt sich besonders auf die Sommermonate aus. Seit 2013 können wir mehr Hitze- und Dürre, aber auch Gewitter und Starkregen über Mitteleuropa beobachten.

Besonders langsam ziehende Gewitter mit Starkregen habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen wie etwa 2014, 2016/2018 und auch wie auch bisher in diesem Sommer.

Die klassischen Gewitterfronten, die aus Westen bzw. Frankreich/Benelux einmal quer über Deutschland ziehen und dann eine Abkühlung bringen sind in des weniger geworden. Entweder bilden sich keine Gewitterlinien oder sie lösen sich auf.

Stattdessen gibt es dafür immer mehr schwül-warme Wetterlagen mit den angesprochenen Gewittern, die sehr langsam, wegen fehlender Höhenströmung, ziehen, und oft teils katastrophale Regenmengen bringen oder sich mit anderen Gewittern verclustern und zu größeren Starkregengebieten wachsen.

Durch die Klima-Erwärmung bilden sich auch öfter Superzellen und Gewittercluster MCS/MCC, da einer warmen Atmosphäre mehr Wasser zur Verfügung steht und sich so Gewitterzellen lange halten können und dann je nach Wetterlage oder durch eigene Dynamik sich mit anderen Gewittern verbinden und so zu großen Gewitterclustern heranwachsen können, wie etwa 2014 (Pfingstunwetter) oder im Frühsommer 2016 mit den katastrophalen Überflutungen in Süd-Deutschland.

Für die Zukunft bedeutet das, dass sich besonders in Sommermonaten Gewitter und Starkregen verstärken werden, gleichzeitig kann es aber auch zu Hitze- und Dürresommern kommen wie 2018/2019, da liegt am Jetstream, der durch die Klima-Erwärmung und damit verbundenen kalt (Arktis) und warm (Äquator) Dynamik, deutlich schwächer wird, da sich die Wärme nach Norden ausdehnt und so auch die nördlichen Regionen auf der Nordhalbkugel erwärmen, was zu einem schwachen Jetstream führt.

Dadurch kommt es auch in Deutschland und Europa öfter zu Nord-/Südlagen bzw. meridionalen Wetterlagen, die im Sommer durch TM (Tief Mitteleuropa) oder HM (Hoch Mitteleuropa), Omega-Hoch, zu Gewitter/Starkregen mit Überflutungen oder zu Hitze und Dürre führen. Natürlich kann es auch Sommer geben, wo zwei dieser Wetterextreme gleichzeitig vorkommen.

Auch sind in Zukunft noch größere Regenmengen als 2002, 2013, 2014, 2016 oder 2021 möglich, wenn sich z.B. ein stärkeres Tief Mitteleuropa bildet und länger in den gleichen Regionen Starkregen bringt oder die gleiche Wetterlage zwei, drei mal im Sommer entsteht. Auch die angesprochen Gewittercluster werden in Zukunft öfter über Deutschland/Mitteleuropa entstehen.

Daher sollte nun viel für eine gesunde Umwelt und Klimaschutz investiert werden. Das denken in Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft/Politik, sollte nun den Weg für eine Umweltfreundliche Basis aufbauen.

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Sturmwetterblog, den 19.07.2021

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