Rückblick auf den Winter 2019/2020

Der Winter 2019/2020 war mit knapp +4k (1961-1990) der zweit-wärmste Winter, seit Beginn der Wetter-Aufzeichnung 1881.

Im Nordosten von Deutschland war es sogar der wärmste Winter seit Beginn der Wetter-Aufzeichnung. Es gab im Flachland in manchen Regionen keinen Eistag oder Temperaturen unter -5 Grad. Auch in den Mittelgebirgen gab es ungewöhnlich wenig Frost und kaum Schnee. In ganz Europa war der Winter 2019/2020 deutlich zu mild.

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Die Monate:

  • Dezember 2019 +3k
  • Januar 2020 +4k
  • Februar 2020 +5k

-waren alle damit deutlich zu warm für die Jahreszeit. Es ist nun der 7. Winter in Folge der in Deutschland zu warm wurde.

  • 2013/2014 +3,1k
  • 2014/2015 +1,7k
  • 2015/2016 +3,5k
  • 2016/2017 +1k
  • 2017/2018 +1,4k
  • 2018/2019 +2,6k
  • 2019/2020 +3,9k

Seit 1987 gibt es immer öfter Winter mit einer Temperatur-Abweichung von über +2,5k (1961-1990). Lediglich der Winter 1974/1975 erreichte +3,3k vor 1987.

Tabelle:

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Link: Bericht zu warmen Winter seit 1881:

https://sturmwetterblog.wordpress.com/2019/09/09/winter-werden-in-europa-deutschland-immer-waermer-ein-rueckblick-der-mildesten-und-kaeltesten-winter-seit-1881/

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Nach dem die Jahre 2018 und 2019 mit jeweils ca. +2k Rekord-mild wurden und es oft neue Temperatur-Rekorde gab, setzte sich die extreme milde Serie zu warmer Monate auch in den Winter-Monaten 2019/2020 weiter fort.

Links zu den extremen Sommern 2018/2019:

https://sturmwetterblog.wordpress.com/2019/09/02/rueckblick-sommer-2019-extreme-waerme/

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https://sturmwetterblog.wordpress.com/wetter-klima-spezial/

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Zudem gab es allerdings, im Gegensatz zu den Dürre-Sommern 2018/2019, in diesem Winter bedingt durch starke West-/Sturmlagen seit Ende Januar 2020 viel Regen. Somit wurde der Winter 2019/2020 mit 215 mm auch deutlich zu nass, die Natur kann sich, nach den überwiegend trockenen Monaten 2018/2019, damit von den Dürre-Schäden erholen.

Der Sonnenschein lag im Winter 2019/2020 mit ca. 190 Stunden im Durchschnitt.

Die ersten beiden Monate Januar (+4k) und Februar (+5k) 2020 wurden nun deutlich zu warm. Seit 1881 gab es noch nie, in den ersten zwei Monaten eine so hohe positive Temp.-Abweichung. Somit könnte das Jahr 2020, wie schon die letzten Jahre, besonders 2018/2019 (+2k) wieder sehr mild werden.

Temperatur-Abweichung ( Langjähriges Mittel 1961-1990 ):

Sehr kalt ( -3 bis -7 Grad )

Kalt ( -1,5 bis -3 Grad )

Leicht zu kühl ( -0,5 bis -1,5 Grad )

Normale Monats-Abweichung ( +/- = bis 0,5 Grad )

Leicht zu warm ( +0,5 bis +1 Grad ) 

Warm ( +1 bis +2 Grad )

Zu warm ( +2 bis +3,0 Grad )

Sehr warm ( +3,0 Grad bis +5 Grad )

Extrem zu warm ( +5 Grad und mehr )

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Wetter-Entwicklung im Dezember 2019 war oft geprägt von antizyklonalen Südwest- oder zyklonalen Westlagen. Zwischendurch gab es auch meridionale Wetterlagen durch Hochdruckgebiete über Europa. Mitte Dezember konnte sich in der aktiven Westlage einige Randtiefs über West-/Mitteleuropa entwickeln und brachten auch in Deutschland Sturm, die Schäden waren meist gering.

So verliefen auch die ersten 3 Wochen im Januar 2020, wobei Hochdruckgebiete über Europa bzw. Mitteleuropa/Deutschland öfter lagen und die Westlage dadurch nördlicher verschoben wurde. Tiefs und Sturmtiefs zogen meist vom Atlantik über das nördliche Großbritannien bis nach Skandinavien.

Deutschland lag somit oft in einer antizyklonalen Südwest-Strömung. Das Hoch über Süd-Ost Europa zog gelegentlich weiter nach Nordwesten, so das die Südwest-Strömung durch eine meridionale Hochdrucklage abgelöst wurde, zogen die die Tiefs weiter südlich, gab es wieder eine Südwestlage. Alle Wetterlage, seit Dezember 2019 waren zu warm, da auch über Nord-Skandinavien und West-Russland kaum Kälte vorhanden war.

Der starke Polarwirbel und die positive NAO produzierten viele Tiefs auf dem Atlantik/Skandinavien, damit konnte keine Kälte nach Europa strömen.

Ab Ende Januar zog sich das Hoch, bis auf ein Zwischenhoch Anfang Februar, zu den Azoren bzw. in den Mittelmeer-Raum zurück. Da der Polarwirbel weiter stark war, nun zogen durch eine aktive Westlage vermehrt Tiefs und Sturmtiefs auch nach Mitteleuropa.

Es kam besonders durch die Randtiefs „Lollita“ vom 28/29. Januar 2020 und „Petra“ vom 3/4. Februar 2020 zu Sturmlagen in Süddeutschland. Durch den Dauerregen gab es an Bächen und kleinen Flüssen leichtes Hochwasser.

Nach einem kurzem Zwischen-Hoch vom 4 bis 7. Februar 2020, verstärkte sich die Westlage auf dem Atlantik. Teils extreme Orkantiefs zogen bis zum Nordmeer.

Das Orkantief „Sabine“ vom 9/12. Februar 2020 das auf der nördlichen Nordsee bzw. über dem Nordmeer 930 hpa erricht hat, solche tiefen Werte gab es dort seit Jahrzehnten nicht, führte in West-/Mitteleuropa zu einer schweren Sturmlage mit Orkanböen und Graupelgewittern.

In Deutschland wurden flächig 90 bis 115 Km/h gemessen, auf den Bergen und besonders südlich der Mittelgebirge gab es auch Orkanböen bis ins Flachland, wie bsp. in Fürstenzell mit 154 Km/h!

Es gab verbreitet große Sturmschäden durch entwurzelte Bäume und abgedeckte Dächer. Der Bahnverkehr fiel in ganz Deutschland aus. In den Wäldern, die noch geschwächt waren aus den Dürre-Sommern 2018/2019, sind bis aktuell Anfang März 2019 mehrere Mio. fm Sturmholz durch Sabine geworfen worden. Trotzdem bleibt die Schadholzmenge unter den Werten von Kyrill 2007 (37 Mio. fm) und Friederike 2018 (11 Mio. fm).

Der Schaden durch Orkan Sabine wird derzeit auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt, davon ca. 700 Mio. Euro Sturmschaden in Deutschland!

Die Westlage hält seit dem bis aktuell Anfang März weiter an.

Am 16/17. Februar. 2020 erreichte das Sturmfeld von Orkantief „Victoria“ Westeuropa und den Nordwesten von Deutschland. Es gab oft Sturm- und schwere Sturmböen, örtlich orkanartige Böen. Besonders in Benelux und NRW gab es größere Sturmschäden durch entwurzelte Bäume und abgedeckte Dächer.

Auch vom 17 bis zum 24. Februar 2020 hielt die stürmische Westlage weiter an. Am 23/24. zog das Sturmtief „Yulia“ mit teils schweren Sturmböen über Deutschland, es gab wieder Sturmschäden durch entwurzelte Bäume und abgedeckte Dächer. Hinzu kam starker Dauerregen, der die ohnehin stark hohen Wasserstände an Bächen und Flüssen weiter steigen ließ, so kam es Westen/Südwesten zu leichten Hochwasser.

In der starken Westlage zog am 27. Februar 2020, das Randtief „Bianca“ über den Süden von Deutschland. Es gab oft schwere Sturm- und örtlich Orkanböen, die zu größeren Sturmschäden führten. Nördlich gab es teils Dauerregen und wieder leichtes Hochwasser, auf der Rückseite von Randtief „Bianca“ floss vorübergehend kühle Luft nach Deutschland. Erstmals gab es besonders in den Mittelgebirgen Schnee. Im Flachland wurden nur für ein paar Stunden, wenn überhaupt wenige Zentimeter Schnee gemessen.

Am 29. Februar 2020, zog die Kaltfront eines Sturmtiefs auf dem Atlantik von Nordfrankreich/Benelux nach Deutschland. Es gab verbreitet Sturm-/schwere Sturmböen, örtlich orkanartige Böen. Es wurde Äste abgerissen, Bäume entwurzelt und Dächer abgedeckt.

Damit war der Februar 2020 einer der mildesten und stürmischsten Monate seit Beginn der Wetter-Aufzeichnung.

Die Westlage hält aktuell weiter an. Die Sturmsaison 2019/2020 geht noch bis ca. Mitte April. Es können bis dahin noch weitere Stürme über Europa/Deutschland ziehen.

Einen vollständigen Bericht und Überblick zur Sturmsaison 2019/2020 gibt es Ende April/Anfang Mai.

Der Winter ist von den Wetterlagen mit den 90er Wintern zu vergleichen. Nur das es noch wärmere Temperaturen gab. Durch die aktuelle Westlage und Sturmserie seit Ende Januar 2020, war der Winter auch sehr stürmisch.

Eine Serie mit sieben zu warmen Wintern, wovon drei Winter eine positive Abweichung von über +3k erreichten gab es seit 1881 noch nicht.

In den letzten Jahren gab es kaum noch kalte Monate, die Klima-Erwärmung wirkt sich immer mehr durch warme Wetterlagen aus, bzw. das Wetterlagen, die vor 10/20 Jahren noch kühle Temperaturen brachten, in der heutigen Zeit milde Temperaturen bringen. Kalte Nordostlagen sind entweder nur 1 bis 2 Wochen wie Februar 2012, März 2013 oder Februar 2018, oder es ist kaum kalte Luft über Skandinavien/Nordwest-Russland vorhanden, das selbst Nordostlagen im Winter, kaum noch starken Frost mehr bringen, wie noch im 20 Jahrhundert. Bei Südwestlagen werden nun oft 12 bis 20 Grad im Winter erreicht.

Es können in den nächsten Jahren durchaus noch Winter-Monate mit strengen Frost vorkommen und auch mal kalte Winter bringen. Doch die Winter, wie auch die übrigen Jahreszeiten werden insgesamt milder.

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Sturmwetterblog, den 4.03.2020

Tabelle bei ©Sturmwetterblog

Daten zu Temperatur-Abweichungen vom DWD

Bericht bei Sturmwetterblog

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